Bundlos glücklich

Werkzeug

Zum Entfernen alter Bünde benötigen wir eine Zange die vorne ganz spitz ist, sich also zwischen Bund und Holz zwingen kann.
Solche Zangen kann man für knapp 40 Euro erwerben, sich aber auch selbst anfertigen. Dazu braucht man eine billige Zange, einen Schleifbock und ein Glas Wasser.
Also, man kauft sich im Baumarkt eine Kneifzange (Bild 2) und schleift diese am Schleifbock solange zu, bis sich Bild 3 (gestrichelte Linie) ergibt.

Durch die Schleiferei am Schleifstein entsteht allerdings ziemliche Hitze, was nun wiederum Einfluß auf die Molekularstruktur des Stahls hat, d.h.: Verlust der Härte und damit stark verkürzte Lebensdauer des Endproduktes. Um dem zu entgehen, sollte man die Zange während des Schleifens immer schön zwischendurch im Wasser kühlen (pschh....).


Bünde rausziehen

Der Bunddraht hat unten beidseitig kleine Noppen, die für festen Sitz sorgen. Fasst man nun mit der präparierten Zange zwischen Griffbrett und Bunddraht, so passiert folgendes: Der Draht hebt sich aus dem Schlitz und die kleinen Noppen reißen tendenziell das Griffbrettholz nach oben auf.
1. Schlitzbreite A, z.B. 0,65mm
2. Bunddrahtbreite B (ohne Noppen), z.B. 0,5mm
3. Noppenbreite C, z.B. 0,95mm

An diesen Beispielmaßen (durchaus gängige Werte) kann man sehen, dass der Draht unten ohne Noppen gemessen schmaler als der Bundschlitz ist, mit Noppen jedoch breiter. Beim Hereinschlagen oder Pressen seitens des Fabrikanten wird nun das Griffbrettholz an der Schlitzkante deformiert, die Noppen müssen ja irgendwie rein. Holz neigt allerdings dazu, sich wieder in den Urzustand zurückzuversetzen, insbesondere dann, wenn dazu auch noch Feuchtigkeit verfügbar ist. D.h. die Holzzellen quellen wieder in ihre alte Form zurück, besonders gerne bei einem Griffbrett, da hier nicht nur die normal Luftfeuchtigkeit zugegen ist, sondern auch der Schweiß unserer Hände, die beim Spielen für ständige Flüssigkeitszufuhr sorgen.

Wie dem auch sei, unser Griffbrett streckt sich nach relativ kurzer Zeit wieder, besonders in dem Bereich, der nun oberhalb der Noppen liegt, sodass diese wieder rundum eingebettet im Holze liegen. Zieht man jetzt den Draht nach oben, so entstehen durch die Noppen kleine Splittereien und Sauereien, gerade bei Ebenholz kann es richtig fies werden.

So richtig viel kann man nicht einmal dagegen tun. Ein bißchen hilft allerdings schon die präparierte Zange, die ja den Draht nach oben und das Holz nach unten drückt, zumindest in einem gewissen Bereich. Außerdem werden kleine Splittereien durch den überlappenden Bunddraht darselbst abgedeckt, sind also nach dem Refretting gar nicht mehr zu sehen. Doch es gibt noch eine gute Maßnahme: Zwecks Geschmeidigkeit einfach das Griffbrett 24 Stunden vorher einölen. Gut tut es spezielles Griffbrettöl, welches sich durch Wohlgeruch und Dünnflüssigkeit auszeichnet. Dies trägt man nicht zu zaghaft mit dem Lappen auf. Wenn es nach einer halben Stunde weggezogen ist, sollte man noch einmal nachölen.

24 Stunden warten!

Jetzt den Hals schön festspannen und dann versuchen, die präparierten Zangenschneiden zwischen Griffbrettholz und Bunddraht zu zwängen. Zangenbacken auf´s Griffbrett gedrückt, unter den Bund, langsam die Griffe zusammendrücken, der Bund hebt sich heraus.
Wenn die Schneiden partout nicht drunter wollen, hilft nichts, als brutal seitlich in den Bunddraht zu zwacken, um ihn dann langsam hochzuhebeln. Sobald man einen Zwischenraum zwischen Griffbrett und Bund herausgearbeitet hat, geht es einfacher. Aber sinnig zur Sache gehen, man wird sehen, dass das Holz leicht splittert! Sobald man merkt, dass das Holz mit hochkommt, gleich die Zange direkt darüber ansetzen und, während man mit der Zange auf´s Holz drückt, den Bund hochziehen, die Kräfte gegeneinander wirken lassen.

Kleiner Tipp: Hat man den Bund erstmal erwischt und etwas hochgehebelt, so kann man die weitere Hebelei auch mit den Fingern machen und mit der anderen Hand die Zangenbacken auf´s Holz drücken, um den Splittern Einhalt zu gebieten.

Im übrigen wird man bei solchen Aktionen sein Lehrgeld bezahlen, d.h., bevor man nicht ein paar Hälse so halbwegs ruiniert hat, sind brauchbare Ergebnisse kaum zu erwarten. Übung macht halt den Meister.

Schleifen und Sägen

Wir haben alle Bünde herausgezogen. Nun gilt es, das Griffbrett mit Schleifklotz und 150er Gewebe überzuschleifen.
Erst beim Schleifen treten diese Ausriss-Stellen so richtig gemein hervor. Gleich den Sekundenkleber her, ein, zwei Tropfen reinlaufen lassen und ein Momentchen warten. Übrigens muss es der dünnflüssige sein, keinesfalls Gel. Also, kurz einziehen lassen und dann mit dem Schleifklotz drüber. So ergibt sich quasi selbsttätig eine Schleif-Spachtelmasse, die sich optimal fest in die Splitterritzen setzt.
Alles zart übergeschliffen, egalisiert, dicht gemacht usw., kann folgende Situation entstehen: Die Bundschlitze sind erstens auch dicht und zweitens gar nicht mehr tief genug, weil wir so viel von oben abgeschliffen haben. In diesem Fall müssen alle Schlitze ein wenig nachgesägt werden. Das kann man mit einer dünnen Feinsäge machen, die keinesfalls mehr als 0,6mm Schnittbreite haben sollte. Es gibt aber auch spezielle Bundsägen, bei denen man sogar die Höchst-Schnitt-Tiefe einstellen kann.

All diese wenig geschränkten Sägen neigen zum Klemmen im Sägeschlitz. Notfalls kurz durch einen Kerzenstummel ziehen, etwas Wachs an den Zähnen wirkt Wunder! Beim Sägen auch darauf achten, dass einem die Säge nicht hakt und dann ruckartig zur Seite fetzt. Außerdem die Säge schön gerade führen, damit die Schlitzbreite beibehalten wird. Alles auf eigene Gefahr!

Spezielle Griffbretter und ihre Tücken

Probleme können lackierte Griffbretter machen. Will man den alten Lack retten, muss dieser vor der Drahtentfernung entlang des Bunddrahtes mit einem scharfen Teppichmesser eingeritzt werden. Na ja, und dann muss man halt bei der Hebelei sehr vorsichtig sein.

Ist einem der alte Lack egal, kann eine Neulackierung sinnvoll sein, d.h. Bünde raus, Lack mit dem Schleifklotz abschleifen und danach mit Schnellschliffgrund grundieren. Dann 240er Schliff, Bundschlitze nachsägen, neue Bünde rein und abrichten (Bundkanten nicht vergessen>>nächstes Kapitel). Lackiert wird zum Schluß, und zwar mit Zweikomponenten-Lack (PUR oder DD). Es muss einer mit Härter sein, am besten aus der Fußbodenlack-Ecke. Dieser Lack fließt gut und lässt sich mit dem Pinsel auftragen. Der Crack schleift fein und poliert am Ende mit einer Schwabbel. Da die Fläche jedoch immer durch die Bünde unterbrochen wird, fallen kleinere Unregelmäßigkeiten sowieso kaum auf. Hängt halt alles so ein bißchen von den eigenen Ansprüchen ab.

Alles in allem sind Bundierungen von lackierten Griffbrettern eine recht heikle Angelegenheit, man sollte hier unbedingt den Fachmann ranlassen.

Äußerste Vorsicht auch bei Griffbrettern mit großen Perlmutteinlagen, z.B. Les Paul Trapezeinlagen. Da steht zwischen Bundschlitz und Perlmutt nur ganz wenig Holz, welches dann um so bereitwilliger hochsplittert. In diesem Fall gleich den Sekundenkleber zur Hand nehmen und die Stückchen wieder anfügen.