Elektrik für Jedermann - Schalter

Minischalter

Bei Schaltern unterscheidet man grundsätzlich erstmal zwischen Ein/Aus-Schaltern (ON/OFF) und Umschaltern.
Bild 1: Schaltzustände von Ein/Aus- bzw. Umschaltern
Anhand der Skizze kann man hoffentlich sehen, dass der ON/OFF-Schalter lediglich den Kontakt zwischen zwei Anschlusspolen unterbricht, während der Umschalter den mittleren Anschluß (Pin) wahlweise mit einem der beiden äußeren Pins verbindet. In englischsprachigen Büchern wird letzterer auch als SPDT-Schalter bezeichnet. SP steht dabei für „Single Pole" und DT für „Double Throw". Throw heißt soviel wie „Durchgang", frei übersetzt hieße ein SPDT-Schalter also „einpoliger Schalter mit zweifachem Durchgang", der übliche deutsche Ausdruck lautet jedoch „einpoliger Umschalter". Der Ur-ON/OFF-Schalter mit seinen zwei Anschlusspins kommt in freier Wildbahn praktisch nicht vor, man findet fast ausschließlich Umschalter, die ja, wenn man den dritten Pin nicht belegt, auch als ON/OFF-Schalter funktionieren. Aus diesem Grunde werden Umschalter auch häufig mit dem erklärenden Zusatz „ON/OFF" ausgestattet, obwohl das genaugenommen so nicht stimmt.

Einen Schalter mit zwei parallel geschalteten SPDT Anschluss-Reihen nennt man DP (Dual Pole), oder eben 2-poliger Umschalter. Bisweilen spricht man in solchen Fällen auch von Schaltern mit 2 EBENEN.

Minischalter mit 3 möglichen Schalt-Positionen (TT-Triple Throws) sind in der Zwischenstellung (Mittelstellung) entweder „aktiv" (ON/ON/ON), also mit Verbindung zu einem der anderen Pole, oder „passiv" (ON/OFF/ON), also ohne Verbindung zu einem der anderen Pole.
Bild 2: Schaltzustände der gängigen Minischalter

Push- & Push/Push-Potis

Das sind Potis, die unter dem Potigehäuse einen 2-poligen Umschalter (ON/OFF) beherbergen. Beim Push-Poti (manchmal auch Push/Pull-Poti genannt) wird die Schaltfunktion durch herausziehen bzw hereindrücken der Potiachse ausgeübt. Beim Push/Push-Poti wird die Schaltfunktion durch leichten Druck auf die Potiachse ausgeführt. Also: einmal drücken - Schalter ON, nochmal drücken - Schalter OFF. Letzteres schaltet natürlich etwas flinker, da man nur mal eben mit der Handfläche auf den Potiknopf hauen muß, anstatt diesen erst umständlich herauszuziehen (womöglich auch noch mit schwitzenden Fingern).

Bei beiden Potis ist die Schaltstellung sichtbar d.h., die Potiachse ragt im geschalteten Zustand etwas weiter heraus.

Bild 3: Schaltzustände eines Push-Potis

Pickupwahlschalter

Wie bereits erläutert, ist unsere Masseleitung durchgehend, es müssen also nur die heißen Leiter der Pickups geschaltet werden.

Wollen wir bei Gitarren mit 2 Pickups dafür einen Minischalter verwenden, ist jener mit „aktiver" Mittelstellung (ON/ON/ON) der einzig brauchbare, schließlich wollen wir nicht nur jeden Pickup einzeln betreiben, sondern auch beide parallel.

Bild 4: Pickupumschaltung mittels Minischalter
Das gleiche Ergebnis erhält man mit einem Gibson-mäßigen Toggle-Switch. Rein technisch besteht dieser jedoch aus zwei parallel laufenden ON/OFF-Schaltern, die sich folgendermaßen verhalten:
Bild 5: Schaltzustände beim „Toggle-Switch"
Der „Toggle-Switch" hat also vier Anschlüsse, von denen zwei zusammgelötet werden müssen, damit ein gemeinsamer Ausgangspol entsteht. Die beiden anderen Anschlüsse werden mit jeweils einem Pickup verbunden. Meist haben „Toggle-Switche" auch noch eine fünfte Lötöse, die aber mit der Schaltfunktion nichts zu tun hat, sondern als Masseanschluss dient.
Bild 6: Vorder- und Rückansicht eines Tele-Schalters
Der Fender 3- & 5-Way-Switch ist etwas komplizierter aufgebaut, er besteht aus zwei parallel-laufenden Dreifach-Umschaltern d.h., zwei elektrisch voneinander getrennten 3-fach-Umschaltern, die gleichzeitig geschaltet werden. Wie bereits erwähnt spricht man in diesem Falle von zwei EBENEN. Für die Verdrahtung einer Gitarre mit 3 Pickups, z.B. einer Strat, reicht eine Schalterebene jedoch völlig aus.
Bild 7: Schaltzustände beim 5-Way-Switch
Bei Gitarren mit 2 Pickups (z.B. Tele) kommt man mit nur einer Ebene allerdings ins kurze Gras, man kann nämlich nicht beide Pickups gleichzeitig aktivieren. Diese Aufgabe übernimmt dann die zweite Ebene.

Eigentlich ist es mir immer noch ein Rätsel, weshalb Fender den Pickupschalter einer Strat komplizierter verlötet als es nötig wäre, es reicht definitiv EINE SCHALTEREBENE. Allerdings braucht man dann für Hals- und Mittelpickup je einen Tonkondensator (die Originalschaltung kommt mit einem gemeinsamen Kondensator aus, der über die 2. Ebene geschaltet wird). Vermutlich wurde früher, als die Strat noch mit einem 3-Way-Switch bestückt wurde, aus logistischen Gründen der gleiche Schalter für Strat und Tele genommen und damit diese Überdimensionierung überhaupt Sinn macht, wurde halt durch komplexere Schaltung der 2. Tonkondensator wegrationalisiert. Vielleicht war´s so aber auch einfacher zu löten, wer weiß.

Die „klassischen" Pickupwahlschalter haben den Vorteil, dass sie in offener Bauweise erhältlich sind, man kann also auch bei verlustig gegangenem Anschlußplan mit Hilfe von Auge und Hirn zu gewünschtem Endergebnis vordringen. Allerdings sind die Schaltungsvariationen begrenzt.

Ein findiger Gitarrenbauer namens Günter Eyb hat daher einen Replacement-5-Way-Switch entwickelt, der schaltungstechnisch keine Wünsche mehr offenläßt. Diesen „Megaswitch" gibt es in verschiedenen Ausführungen, die wir in einem späteren Kapitel noch ausführlich beleuchten werden. Dort befassen wir uns dann auch näher mit der „internen" Verschaltung von Humbuckern (Splitting, Reihe/Parallel) mittels Minischalter sowie diversen Standardschaltungen.

Drehschalter

Abschließend zur Einführung ins Schalter-Innenleben vielleicht noch etwas zu Drehschaltern. Diese erlauben umfangreiche Schaltungen, die mit normalem Schaltgerät nicht zu bewältigen wären. So hat beispielsweise unser 5-fach-Drehschalter auf JEDER seiner 4 Ebenen einen Eingangspol, der auf 5 verschiedene Ausgangspole geschaltet wird. Wer sich den besorgt, sollte allerdings ausreichende Fähigkeiten besitzen, um seine eigene Schaltung zu kreieren. Aufgrund der Vielzahl von Optionen sind wir zeitlich nicht dazu in der Lage, „mal eben so nebenbei" eine auf die jeweilige Person zugeschnittene Schaltung zu entwerfen.